Slow News / Big Ideas / Medium.com

Informationsarchitekt Oliver Reichenstein hat in einem Vortrag an der Generate Conference ein Thema aufgegriffen, das seit längerem im Raum steht: Welche Folgen hat Information Overload für unseren Geist? Seine These, die er auf Slide 63 in einer Frage verpackt: «Assume that what analog technology has done to our environment, information technology is doing to our minds».

Während Reichensteins Aussagen genereller Natur sind, gibt es verschiedene Stimmen, die diese Problematik in einem engeren Sinne im Kontext täglich erscheinender News beleuchten und Lösungsvorschläge machen. So plädierte zum Beispiel Rolf Dobelli vor zwei Jahren in einem sehr lesenswerten Aufsatz für eine «gesunde Nachrichtendiät» bestehend aus langen Artikeln und Büchern, «die nicht davor zurück schrecken, die Komplexität der Welt darzustellen».

Nun ist es ja so, dass ich ein berufsbedingtes Interesse an News habe, mich informationstechnisch also schon deshalb nicht entkoppeln kann. Trotzdem beschäftigt mich der Gedanke von Slow News, seitdem ich Dobellis Aufsatz vor zwei Jahren gelesen habe. So gut gemeint sein Vorschlag auch ist, hat er eine entscheidende Schwäche: Das Potential von vernetztem Ideenaustausch und -wettbewerb liegt bei einer solchen Lösung brach. Erkenntnisreiche Informationsforen wie «changemyview» und zukünftige Plattformen, die vielleicht noch interessantere Gedanken hervor bringen, bleiben aussen vor.

Evan Williams, Mitbegründer von Twitter und Blogger, sieht ebenfalls Probleme in der Informationsflut und versucht mit seinem neuen Projekt Medium eine Alternative aufzubauen: «News in general doesn’t matter most of the time, and most people would be far better off if they spent their time consuming less news and more ideas that have more lasting import». Sein Ansatz scheint einer der bisher ausgereiftesten zu sein, wenn es darum geht, die richtige Balance zwischen Informationsvernetzung und -overkill zu finden. Schaut man sich Reichensteins abschliessende Empfehlungen auf Slide 80 an, scheint Medium einige davon umzusetzen. Einmal mehr zeigt sich: Great minds think alike.

 

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