pop.culture.lab 001

Soundtrack:

Doc Scott – Shadowboxing

Jones & Stephenson – First Rebirth

Smashing Pumpkins – Mayonnaise

Es war vor 10-15 Jahren, vom Gefühl her. Genau kann ich mich nicht mehr erinnern. Da begann dort, wo heute das Bahnhofsmonster einen Fuss im Gundeli absetzt, die alternative Cubkultur von Basel. Zumindest für mich. Das Schlotterbeck (einer der ersten Clubs der Stadt, in denen Rave gespielt wurde) hatte ich aus Altersgründen verpasst, das Planet E war zwar maximale Clubkultur, aber fühlte sich eher an wie das Endprodukt und nicht das Aufkeimen einer Alternative. Was dem dort gehabten Spass natürlich in keinster Weise abträglich war. Anywayz. Es gab damals einen Club, ein Kunstprojekt, ein Experiment, das “@home” hiess. Dort lebte ein seltsamer Haufen von Menschen. Sie arbeiteten dort, machten Kunst und sie feierten. Wilde Parties, mit aufregender, neuer Musik. Jedes Mal, wenn man dorthin kam, sah der Raum anders aus. Einmal stand ein riesiger Berg aus Kissen mitten auf der Tanzfläche, ein anderes Mal baumelte dort ein Bettgestell samt Matratze von der Decke. Und dazu lief aufregende, neue Musik, wie sie sonst in keinem Club der Stadt gespielt wurde. Jede Nacht @home war ein Abenteuer, mit ungewissem Ausgang.

Ich glaube nicht, dass die Parties damals rüder waren oder härter abgingen. Aber sie hatten Herz. Jede von ihnen war einzigartig. Vielleicht ist das eine romantische Verklärung der Vergangenheit, schon klar. Trotzdem: Als mir Laurence Desarzens bei einem Mittagessen vom Projekt PRIVAT erzählte, schwebte mir sofort diese Clubutopie vor dem geistigen Auge. “Parties sind ein bissschen laangweilisch geworden”, erzählte sie mir da in ihrem charmanten Francodeutsch und als angehender Veteran des Nachtlebens musste ich ihr da wohl oder übel zustimmen: Das Format “Party” ist heute weitestgehend definiert. Ein gepflegter Absturz in geordneten Bahnen hat ja durchaus seine Berechtigung, wie die Warteschlange vor dem A2 immer wieder auf brutale Weise in die Nacht schreit. Aber leider nützt sich das ziemlich schnell ab. Irgendwann hat man es einfach gesehen, erlebt. Irgendwann geht man einfach nicht mehr hin. Und vermisst es nicht.

So, wie ich das verstanden habe, ist bei PRIVAT noch nichts definiert, ausser der Ort des Geschehens und seine Bewohner. Das Projekt startet am 1.Oktober 2008. Zwei Menschen ziehen in den Rosstall 2. Mit Sack und Pack. Und teilen ihren Lebensraum manchmal mit den wochenendlichen Nachtschwärmern. Das eröffnet viele Möglichkeiten: Ein Apéro mit Freunden in der gepflegten Stube? Gerne. Ab ans Konzert? Yeah! Afterhour bei uns mit DJs? *yEaH#h! Diese Dynamik lässt sich nicht erzwingen. Aber man kann ihr ein Zuhause geben. Eines, das die Freiheit gibt, herumzuprobieren. Vieles davon wird wohl in die Hose gehen. Aber das ist doch ok. Solange auch Momente entstehen, die in keinem Businessplan vorherzusehen sind. Bei denen sich kein Break Even errechnen lässt. Weil es darum überhaupt nicht geht. Wird PRIVAT so ein Projekt? Ich weiss es nicht, kann nur hoffen. Aber ich freue mich auf den Versuch! Denn ich will bald wieder mal nach einer durchzechten Nacht betrunken im Bett liegen. Und lächelnd denken: Heute war es seltsam, anders, unvergesslich. Heute war es gut. So richtig.

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