Instant Translation: Neue Konkurrenzverhältnisse am Horizont

netzwertig.com hat heute eine iPhone-App vorgestellt, die Echtzeit-Konversationen zwischen Menschen unterschiedlicher Sprachen ermöglichen soll. Auch wenn das in Real Life offensichtlich noch recht holprig funktioniert, scheint mir diese Applikation (genau so, wie diese von Google) auf eine Entwicklung hinzuweisen, die in Zukunft extrem weitreichende Implikationen hat – nicht zuletzt auch für den Mediensektor. Die ohnehin schon brutalen Konkurrenzverhältnisse im Netz – alternative Medienerzegnisse sind immer einen Klick weit entfernt – werden durch neue Übersetzungstechnologien noch einmal potenziert. Ist diese erst einmal so weit, dass die maschinelle (Echtzeit-) Übersetzung genauso gut ist, wie die menschliche – und das ist meiner Meinung nach nur eine Frage des “wann” und nicht des “ob” – fallen die bisherigen Sprachbarrieren und führen zu wahrhaft globalen Konkurrenzverhältnissen, zumindest was globale Themen betrifft. Der Spiegel wird in Bezug auf die Analyse global bedeutsamer Geschehnisse – Fukushima, Libyen, Finanzkrise – nicht mehr gegen die ZEIT oder die NZZ bestehen müssen, sondern gegen die New York Times, El Pais, den Guardian und allen anderen Medien aus der ganzen Welt. Das gilt auch für audiovisuelle Medien.

In Erwartung eines solchen Szenarios ist es aus meiner Sicht enorm wichtig, dass unsere Medienbrands a) der inhaltlichen Leserbindung einen deutlich höheren Stellenwert beimessen, b) in lokale und regionale Kompetenz investieren und b) verstärkt eigene Akzente setzen und damit aufhören, Themen aus dem angelsächsischen Sprachraum mit einigen Tagen Verspätung bei uns breit zu treten.

Ich glaube, wir stehen tatsächlich erst am Anfang eines wahrhaft vernetzten Mediensystems, dessen Konsequenzen weit darüber hinaus gehen, was wir uns heute vorstellen können. Dieser Aspekt ist einer davon.

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