Currents und die Selbstwertprobleme von Google

Wie wir gestern stolz mitteilen durften, ist die NZZ als Launchpartner beim Europa-Start der Aggregator-App Google Currents mit dabei.

Ob diese App aus technischer Perspektive das Zeug hat, Aggregator-Platzhirsche wie Flipboard oder Zite von den Home Screens dieser Welt zu verdrängen, sollen andere beurteilen. Was mir selbst beim ersten Ausprobieren am stärksten auffiel, war vor allem ein kleines Detail. Es macht deutlich, mit welcher Entschlossenheit Google sein soziales Netzwerk in den Markt drücken will. Wer spannende Artikel aus Currents mit seinem Netzwerk teilen möchte, tut dies wie gewohnt über einen Sharing-Button. Das einfache Antippen desselben gibt dem User aber statt einer kompletten Liste mit entsprechenden Services erst einmal nur Google+ und Email zur Auswahl. Erst ein erneuter Tap auf “More…” bringt Standards wie Facebook, Twitter oder Tumblr zum Vorschein – aus UX-Perspektive eine eher suboptimale Lösung. Aber darum geht es hier offensichtlich nicht. Vielmehr zeigt sich darin einmal mehr die grosse Strategie von Neo-CEO Larry Page, Google+ als “Unifying Layer” über die bisher als einzelne Produkte unabhängig voneinander existierenden Dienste von Google zu ziehen.

Damit bewegt sich der Konzern auch auf einer strategischen Ebene in Richtung Facebook, das mittlerweile ebenfalls eine unglaubliche Vielzahl von unterschiedlichen Diensten anbietet, diese aber so geschickt verknüpft, dass das Publikum sie als Features eines einzigen Produktes wahr nimmt. Das macht durchaus Sinn, bündelt es doch die Kräfte und vereinfacht das Marketing ungemein. Aber: Wenn eine solch grundlegende Änderung des bisher auf modularer Freiwilligkeit beruhenden Dienstleistungsangebots von Google auf Biegen und Brechen durchgedrückt wird, wirkt das alles ein wenig unsympathisch und ja, auch verzweifelt. Insbesondere, wenn dabei bewusst Kollateralschäden im Bereich UX in Kauf genommen werden. Meilenweit entfernt davon, was Google ursprünglich gross gemacht hat: Das Selbstbewusstsein einen so überragend guten Service anzubieten, dass er sich von selbst verkauft.

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