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Interessante Gedanken von Mark Hurst zu Google Glass. So pessimistisch sie auch sind: Gänzlich von der Hand weisen lassen sie sich nicht.

if a million Google Glasses go out into the world and start storing audio and video of the world around them, the scope of Google search suddenly gets much, much bigger, and that search index will include you. Let me paint a picture. Ten years from now, someone, some company, or some organization, takes an interest in you, wants to know if you’ve ever said anything they consider offensive, or threatening, or just includes a mention of a certain word or phrase they find interesting. A single search query within Google’s cloud – whether initiated by a publicly available search, or a federal subpoena, or anything in between – will instantly bring up documentation of every word you’ve ever spoken within earshot of a Google Glass device.

via The Google Glass feature no one is talking about — Creative Good.

“Es gehört zum Wesen von Revolutionen, dass ein Teil der Elite geht lieber untergeht, als sich zu verändern.”

Wolfgang Blau beschreibt den Wandel, den der Journalismus aktuell durchmacht, als echte Revolution. Eine Revolution, die weh tut. Eine Revolution, die fordert und überfordert. Vor allem aber eine Revolution mit ungewissem Ausgang: “Das Netz schafft für uns alle eine neue Ordnung. Ob diese besser oder schlechter sein wird als die jetzige, das wissen wir noch nicht.”

Die schwierigste und wichtigste Aufgabe, die Medienmacher haben: Sie müssen den Kulturwandel mitmachen und gleichzeitig steuern. Laut Blau bewegt sich die Branche nicht schnell genug, sie habe viel zu viel Zeit mit nostalgischen Rückblicken verschwendet.

Journalisten täten sich so schwer mit der Veränderung, weil einst so sicher geglaubte Grenzen verschwimmen. Insbesondere zwischen Profis und Amateuren. Es geht um nichts weniger als die Identität des Journalisten, die Rolle und das Selbstverständnis, mit der er arbeitet.

Diese vorwärts gerichteten Gedanken äussert nicht irgendein hoffnungsloser Netz-Utopist, sondern Wolfgang Blau, Chefredaktor von ZEIT Online. Und das an einem Podium mit dem pessimistischen Titel: ” Wozu noch Journalismus?” That’s the spirit! Hoffentlich haben es seine Gedanken bis in die Köpfe des Publikums geschafft.

Kollege Bauer hat beim geschlossenen Anlass übrigens mitgebloggt und so zumindest einen Hauch Zukunft ins KKL gebracht. Ebenfalls lesenswert.

Am Freitag sorgte eine Studie des Forschungsbereichs Öffentlichkeit und Gesellschaft der Universität Zürich für Aufruhr in der Redaktion, die meine Brötchen zahlt. Die Erkenntnisse zur Qualität der Schweizer Medienlandschaft von Professor Imhof sind nämlich derart ernüchternd, dass sich selbst die Tagesschau veranlasst sah, einen Bericht dazu zu bringen (wohl nicht zuletzt, weil sie über den grünen Klee gelobt wird). Und interviewte deshalb Hansi Voigt, den Chefredakteur von 20 Minuten Online. Obwohl dieser im Beitrag nur ein paar Sekunden zu Wort kommt, wird klar, dass er mit Professor Imhofs Erkenntnissen gar nicht einverstanden ist. Diese Meinung teile ich. Was genau steht nun in der Studie? Um Fehler zu vermeiden, lassen wir das “Qualitätsmedium” NZZ zusammenfassen:

  • In allen Mediengattungen wächst das Angebot an Klatsch bzw. an sogenannten Softnews, welche die klassischen publizistischen Kernthemen Politik, Wirtschaft und Kultur zurückdrängen.
  • Die Nachhaltigkeit der Berichterstattung lässt nach. Episodische, auf Personen, Konflikte und Katastrophen zugespitzte Informationen nehmen zu.
  • Obwohl die Welt zusammenwächst, schotten sich die Medien ab, indem sie die Auslandberichterstattung stark abbauten. «Die grossartige Tradition der schweizerischen Auslandberichterstattung bricht ein», notiert das Jahrbuch.
  • Die Wirtschaftsinformation bleibt mangelhaft.
  • Der Erfolg der Gratiszeitungen und die Gratisangebote im Internet senkten unter den Konsumenten das Bewusstsein dafür, dass Informationsqualität etwas kostet.
  • Der Einbruch bei den Werbeeinnahmen erschwert die Finanzierung der redaktionellen Leistungen.
  • Die Bedeutung derjenigen Medientitel, die wenig zur Informationsqualität beitragen, wird weiter wachsen.
  • Der recherchierende, einordnende Journalismus gerät weiter unter Druck.
  • Auch die Presse orientiert sich vermehrt an den Unterhaltungsbedürfnissen der Medienkonsumenten «statt an Informationsbedürfnissen der Staatsbürger».

Das alles führe nach Ansicht der Forschergruppe dazu, dass nichts weniger als die Schweizerische Demokratie höchstselbst in Gefahr sei. Ich möchte überhaupt nicht ausschliessen, dass an diesem Sachverhalt etwas dran ist. Aber die Schuld den Gratiszeitungen und kostenlosen Online-Angeboten in die Schuhe zu schieben, halte ich für Nonsense. Und zwar weil

  • nicht die Gratiszeitungen verantwortlich dafür sind, “das Bewusstsein dafür, dass Informationsqualität etwas kostet” zu senken, sondern das Internet an sich. Hier werden zwei Dinge in einen Topf geworfen, die insofern miteinander zu tun haben, als dass das eine (Gratiszeitungen) ein Übergangsphänomen zum anderen (Netzmedien) ist.
     
  • gewisse Aussagen der Studie schlichtweg falsch sind. Zum Beispiel diese: “Hintergrundinformationen sind im Onlinesegment Mangelware, und der Aktualitätsdruck in Form des 24/7-Journalismus prägt die journalistischen Produktionsroutinen so stark, dass längerfristige politische und wirtschaftliche Zusammenhänge kaum reflektiert werden.” Das ist langweiliges Wiederkäuen alter Klischees. Oder welcher Printtitel gibt mir in der Zeitung ähnlich umfassende Hintergrundinfos zu einem bestimmten Thema, wie zum Beispiel ein solches Dossier? Ganz zu schweigen von Google.

  • die Sparte (gedruckte) Qualitätsmedien sich vor allem darin hervortut, fürs Gelesenwerden Geld zu verlangen. Das schliesst aber eine breite Leserschicht aus. Nämlich all diejenigen, für die das gedruckte Wort ohnehin keinen monetären Wert hat. Der beklagte Niedergang der Demokratie ist so gesehen ein Niedergang des Demokratie-Monopols der (Informations-)Eliten.

  • Online-Medien schonungslos aufzeigen, was die Masse interessiert und ihr Angebot aus wirtschaftlichen Zwängen danach ausrichten. Das ist oft nicht schön. Aber ein Fact of Life, der sich nicht ändern lässt, indem man Softnews mit hehren Absichten links liegen lässt. Denn so wird man einfach irrelevant. Die Kunst besteht darin, das eine mit dem anderen sinnvoll zu verknüpfen.

  • eine umfassende und vor allem nachhaltige Berichterstattung zu “wichtigen” staatspolitischen Themen beim Tagi oder bei der BaZ genauso wenig festzustellen ist, wie bei 20min.ch oder blick.ch. Die Print-Ausgabe der NZZ lese ich nicht regelmässig, weshalb ich dazu keine fundierte Aussage machen kann. Aber sicher ist: Mit der Gesamtheit der Angebote im Netz zu einem gegebenen Thema kann auch sie nicht mithalten.

  • wir damit beim Kern meiner Argumentation wären: Im Netz muss nicht jedes Medium alles abdecken. Der oft zitierte Jarvis-Satz “do what you do best, link to the rest” macht in einer Kommunikationswelt mit völlig neuen Regeln eben schon Sinn. Die abgeschlossene Betrachtung einzelner Websites hingegen immer weniger. Es geht um den Informationsgehalt des Gesamtsystems Internet, aus dem man sich je nach Wissensdurst, Geschmack und intellektuellem Anspruch sein Informationsbouquet selbst zusammen stellen kann.

Es gibt sehr viele andere, vielleicht auch bessere Gründe, die Aussagen Professor Imhofs anzuzweifeln. Ich bin zuversichtlich, dass sie alle gefunden werden. Und zwar im von ihm verteufelten, frei zugänglichen Internet. Im Dialog zwischen Medien, Bloggern, Kommentatoren und Twitterern. Dass bei diesem Prozess auch eine Menge Blödsinn produziert wird, versteht sich von selbst. Aber so ist der demokratische Prozess nun einmal – eine Wiederspiegelung der Gesellschaft mit all ihren Dummheiten, unterschiedlichen Ideen und Wahrnehmungen. Es wird allerhöchste Zeit, dass das von den wissenschaftlichen Eliten auch bemerkt – und geschätzt – wird. Bevor sich der (medienwissenschaftliche) Universitäts-Betrieb gänzlich von der Realität verabschiedet.

 

Update: Kollega Wampfler hat in seinem Blog eine Replik verfasst.

Update 2: Herr Imhof hat beim Medienspiegel seine Sicht der Dinge als Diskussionsbeitrag publiziert. Vor allem auch die Kommentare sind lesenswert.

Ask yourself for a moment, what is the operating system of a Google or Bing search? What is the operating system of a mobile phone call? What is the operating system of maps and directions on your phone? What is the operating system of a tweet?

On a standalone computer, operating systems like Windows, Mac OS X, and Linux manage the machine’s resources, making it possible for applications to focus on the job they do for the user. But many of the activities that are most important to us today take place in a mysterious space between individual machines. Most people take for granted that these things just work, and complain when the daily miracle of instantaneous communications and access to information breaks down for even a moment.

But peel back the covers and remember that there is an enormous, worldwide technical infrastructure that is enabling the always-on future that we rush thoughtlessly towards.

grosse frage, die mr. o’reilly hier aufwirft: wie könnte ein allumfassendes internet OS aussehen? es lohnt sich, diesen text in voller länge zu lesen. und sich gedanken dazu zu machen.

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