Photo by @kmeron for LeWeb12 Conference, Paris

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Mit dem Internet der Dinge wird die nächste Entwicklungsstufe der Vernetzung konkret. So lautet das Fazit der Technologie-Konferenz «Le Web», an der sich Vertreter von Netzgiganten wie Google oder Facebook mit Startups zum Gedankenaustausch trafen.

Die vom französischstämmigen Internet-Entrepreneur Loic Le Meur vor 7 Jahren ins Leben gerufene «Le Web» gilt mit rund 3’300 Teilnehmern als eine der wichtigsten Konferenzen für die europäische Technologie-Szene. Startup-Gründer suchen hier nach Aufmerksamkeit und Geldgebern für ihre revolutionären Ideen, Internet-Giganten geben einen Ausblick auf ihre Visionen. Vor einem Fachpublikum aus Investoren, Entwicklern, Journalisten und Menschen, die mit der Gründung eines eigenen Startup-Unternehmens liebäugeln, entsteht so ein angeregter Gedankenaustausch zu den Themen, die die Technologie-Welt in den kommenden Monaten beschäftigen werden. Aufgrund der kommerziellen Grundausrichtung bleibt die Diskussion dabei mehrheitlich im Konkreten und verliert sich nicht in Science Fiction.

Dem aktuellen Megatrend folgend hiess das Motto in diesem Jahr «The Internet of Things» – das Internet der Dinge. Gemeint ist damit die sich rasch beschleunigende Vernetzung der Welt, eine Verschmelzung des Digitalen mit dem real Greifbaren. Die Informationen fliessen dabei in zwei Richtungen. Einerseits erfasst eine explosiv wachsende Zahl von Sensoren – Kameras, Thermometer, Bewegungsmesser – die Realität mit zunehmender Genauigkeit und bildet sie virtuell ab, andererseits können real greifbare Gegenstände über Daten aus dem Internet gesteuert werden. Grundsätzlich neu sind solche Ideen nicht. Allerdings existierten sie bisher mehrheitlich als Prototypen. An der «Le Web» zeigte sich, dass sie das Konzeptstadium längst verlassen haben und bereits in vielen Bereichen Realität geworden sind – und das zu Preisen, die den Einsatz solcher Technologien in einem Massenmarkt möglich machen. Mit weitreichenden Konsequenzen: Es gibt Schätzungen, nach denen in den nächsten fünf Jahren bis zu 100 Milliarden Gegenstände mit dem Internet verbunden werden. Voraussetzungen, konkrete Anwendungen und die Konsequenzen dieser Entwicklung waren die meistdiskutierten Themen auf der Bühne. Dabei liessen sich gewisse Trends heraus schälen:

Weiter geht’s auf nzz.ch.

Zahllose Texte zum in Deutschland und Frankreich geplanten und in der Schweiz angedachten Leistungsschutzrecht haben in den letzten Monaten für eine kleine Renaissance der Blogosphäre geführt. Nun nimmt das Max-Planck-Institut für Immaterialgüter- und Wettbewerbsrecht so nüchtern wie vernichtend Stellung dazu. Ich bin gespannt, wie die Verfechter dieser bigotten Forderung dagegen argumentieren werden.

Zu Archivzwecken habe ich das Dokument hier auf dem eigenen Server verlinkt. Die Originalquelle findet sich hier.

Nachdem Kurt Imhof und Cedric Wermuth «etwas weniger als 1 Milliarde» für ein Massnahmenpaket zur «gattungsunabhängigen Förderung von Informationsjournalismus» gefordert haben, entbrannte auf Twitter eine kleine Diskussion, bei der interessante Argumente zum Thema ausgetauscht wurden. Kurz darauf wurden die Kernpunkte eines Positionspapiers der SP bekannt, nach denen über Werbe- und Datenverkehrsabgaben rund CHF 100 Mio. zur Förderung der ökonomisch bedrängten Medien bereit gestellt werden sollen. Da sich die Standpunkte von Jean Perera und mir in weiten Teilen überschnitten, beschlossen wir, unsere Argumente auf etwas mehr als 140 Zeichen auszuführen um so einen Beitrag zu dieser Diskussion zu leisten. Insofern sind die nachfolgenden Zeichen als Gemeinschaftswerk zu verstehen.

Klar ist: Das traditionellen Mediensystem steht unter einem enormen Druck, alte Geschäftsmodelle brechen weg, der Kampf um die Aufmerksamkeit des Publikums hat komplett neue Dimensionen angenommen, frische Ideen sind gefragt, wie die demokratische Meinungsbildung weiterhin gewährleistet werden soll.

Einige der vorgeschlagenen Massnahmen dabei gehen in die richtige Richtung: Die schulische Förderung von Medienkompetenz zum Beispiel oder der Ruf nach mehr Aus- und Weiterbildungsangeboten für Journalisten sind klar zu begrüssen. Der Kritik an der Tendenz zu Personalisierung, Zuspitzung und Emotionalisierung kann ebenfalls kaum widersprochen werden.

In ihrer Gesamtheit und konkreten Umsetzung scheinen uns die Massnahmenpakete aber nicht realistisch oder zweckdienlich, wenn es darum gehen soll, den Journalismus als Garant und Voraussetzung für die Demokratie zu retten. Wir möchten hier nur einige unserer Kritikpunkte als Gedankenanstösse aufführen: 

  • Analyse der Medienlandschaft

    Trotz der wie erwähnt über weite Strecken durchaus treffenden Problemanalyse der Medienlandschaft sind auch hier Kritikpunkte anzubringen, deren Ausführung aber den Rahmen dieses Textes sprengen würde. Herauszustreichen ist sicherlich der Gedanke, dass Geld alleine keine Lösung sein kann, selbst wenn damit Anreize für vermeintlich hehre Ziele gesetzt werden. Am wichtigsten für die Existenz soliden journalistischen Handwerks sind gute Journalisten. Wer bedenkt, dass dieser Beruf sich noch nie (auch nicht in der verklärten “goldenen” Zeit Mitte des letzten Jahrhunderts) durch überdurchschnittlich grosszügige Gehälter ausgezeichnet hat, stellt sich unverweigerlich die Frage, welche andere Faktoren eine Rolle darin spielen könnten, gute Köpfe anzuziehen. Dieser Frage ist mehr Gewicht beizumessen.Ob die Zeitungen in ihrer heutigen Form tatsächlich unerlässliche Gralshüter der Demokratie sind, müsste bestimmt auch vertieft reflektiert werden. Falls die Antwort Nein lauten sollte, wäre eine künstliche Aufrechterhaltung eines obsoleten Formats hinfällig. Für weitere Gedanken, die als Gegengewicht zum grassierenden Pessimismus fungieren oder schlicht die Problematik aus einer anderen Warte beleuchten, sei auf Clay Shirkys exzellenten Essay auf Poynter hingewiesen.

  • Kriterien

    Bei Fördermodellen stellt sich immer die Frage nach den Kriterien der Geldvergabe. Imhof nennt hier «Vielfalt, Relevanz, Quellentransparenz, Einordnung [...] strukturelle Anforderungen wie etwa Ressorts, redaktionelle Unabhängigkeit und transparente Besitzverhältnisse». Für Fehr hingegen sind publizistische Leistungen nur zu einem «gewissen Teil» relevant. Zentral sind für ihn auch die «Verpflichtung zur Aus- und Weiterbildung für Journalisten» sowie «Mindeststandards bezüglich Löhnen und Arbeitsbedingungen».

    Die von Imhof aufgezählten Qualitätskriterien sorgten schon im letzten Jahr beim Medienspiegel für spannende Diskussionen, da sie neue Entwicklungen nur ungenügend abbilden. Zudem sind einige davon durch subjektive Werturteile zu messen und wären insofern dem Vorwurf der Schwammigkeit ausgesetzt. Ob auf solchen Kriterien fussende Entscheide über die Förderwürdigkeit bestimmter Medien in der Öffentlichkeit durchgehend als neutral, transparent und unkontrovers angesehen würden, kann zumindest angezweifelt werden.

    Zu den von Fehr vorgebrachten Kriterien, die mehrheitlich finanzielle und betriebsorganisatorische Vorgaben umfassen, ist anzubringen, dass der erforderliche Mehraufwand unbeabsichtigte Konsequenzen haben könnte. Erstens scheint es grundsätzlich fraglich, einer sich rasch wandelnden, finanziell angeschlagenen Branche starre, kostspiegelige Regeln zu verpassen. Zweitens würde wohl – wie bei Regulierungen so häufig – der Marktzugang erschwert werden. Geförderte, etablierte Medien hätten bezüglich Compliance gegenüber finanzschwachen, auf Flexibilität angewiesenen Neulingen klare Vorteile. Eine Ausgrenzung von neuen, innovativen Geschäftsmodellen und die Zementierung der bestehenden Strukturen wären die Folgen – genau das Gegenteil des deklarierten Kampfes gegen die Monopolisierung der Medienlandschaft.

  • Unabhängigkeit

    Die Anwort Wermuths auf die Frage nach der Wahrung der Unabhängigkeit (es herrsche bereits jetzt nicht vollständige Meinungsfreiheit, Ziel sei nicht die totale staatliche Kontrolle, die Chefetagen hätten schliesslich auch die Macht zur Zensur innerhalb ihrer jeweiligen Zeitungen) lässt vermuten, dass diese Problematik entweder auf naive Weise unterschätzt wird oder kleingeredet werden soll. Ob eine nominal unabhängige, aber schlussendlich durch staatliche Umverteilung genährte Stiftung keinen Einfluss auf die von ihr abhängigen Medien ausüben würde, scheint höchst fragwürdig. Auch ohne maliziöse, bewusste Einflussnahme bestünde die Gefahr von vorauseilendem Gehorsam.

  • Finanzierung

    Zu diesem Punkt hat Nick Lüthi bei der Medienwoche bereits viel Wahres geschrieben: Einerseits würde «ein Aufschlag auf erodierende Tarife zur Abwanderung der Werbekunden auf Kanäle ausserhalb der traditionellen Medien führen, die nicht besteuert werden.» Eine Entwicklung, begünstigt durch Netzkommunikation, die nach wie vor komplett unterschätzt wird. Ein Unternehmen wie Red Bull, das fast 34 Mio. «Likes» auf Facebook, mit Servus TV einen eigenen Fernsehsender und unzählige Netz-Strategen im Sold hat, die sich Gedanken über ihre Markenpräsenz in der Öffentlichkeit machen, ist nur noch in sehr  begrenztem Mass auf traditionelle Medien angewiesen. Betrachtet man die flächendeckende Berichterstattung über Felix Baumgartner, scheint sich das Verhältnis eher umzukehren. Eine Entwicklung, die sich in Zukunft noch beschleunigen dürfte.

    Der zweite Kritikpunkt zur Finanzierung scheint ebenso kurzsichtig. Fehr will «Suchmaschinen wie Google» besteuern, die «einen enormen Datenverkehr [generieren] und von journalistischen Leistungen, [profitieren] zu denen sie nichts beigetragen haben.» Ein weit verbreiteter Irrglaube, der von verschiedensten Autoren widerlegt wurde, zum Beispiel hier. Sollte solch eine «Google-Steuer» tatsächlich eingeführt werden, wäre es für den Netz-Giganten wohl bedeutend weniger schmerzhaft, als für die Medienunternehmen, wenn die Zusammenarbeit mittels Entfernung aus dem Index beendet würde. Wie absurd diese ganze Diskussion ist, beschreibt David Bauer an dieser Stelle.

Die Debatte um die Zukunft des Mediensystems ist von gewaltiger gesellschaftlicher Bedeutung. Die entscheidende Frage ist dabei: Will man das bestehende System um jeden Preis schützen und nimmt dabei in Kauf, neue Entwicklungen von vornherein zu verhindern? Oder findet man einen sinnvollen Mittelweg? Wir sind geteilter Meinung darüber, ob Nick Lüthis Vorschlag, die bestehende Medienförderung auf neue Gattungstypen auzuweiten, bisher am sinnvollsten ist, oder ob man im Gegenteil ganz auf eine staatliche Förderung der Medienlandschaft (inklusiv SRG) verzichten sollte. Die Diskussion verspricht auf jeden Fall auch in den nächsten Jahren spannend zu bleiben.

Falsche Vergangenheitsverklärung ist mir ein Gräuel. Aber bei allen Vorteilen, die die Verflüssigung von Kunst und Kultur mit sich bringt, gibt es doch den einen oder anderen Aspekt, dem man mit leiser Wehmut nachtrauert. Einen davon beschreibt Mike Spies in diesem Artikel für den Culture Desk-Blog beim «New Yorker» sehr schön: Die Intensität der Auseinandersetzung mit dem einzelnen Kunstwerk nimmt ab, wenn die Marginalkosten für einen Switch quasi bei null sind. Und als Folge davon auch das Ausmass der möglichen Wertschätzung.

I don’t think it’s a coincidence that, over the last half decade, very few new albums have stuck with me—I just don’t spend the time with them anymore. Sure, I’ve enjoyed lots of stuff, but I lose interest after a couple listens, bowing to my waning attention span, my anxiety that there’s too much to listen to, and not enough time to take it all in. It’s like going to a large foreign country for a week, and, instead of getting the feel for one glorious city, trying to hit all the sites so you can prove you saw them. And this is, I think, one downer of the digital revolution: the Internet frees up cultural treasures while simultaneously eroding the mechanisms that endow them with value. But hey man, “Whatever you prefer.”

via Spotify and the Problem of Endless Musical Choice : The New Yorker.

Jetzt kann man sagen: Selbstdisziplin ist angebracht, mein Sohn. Aber das ist alles andere, als einfach.

Das Nieman Lab hat ein grossartiges Gespräch zwischen den Autoren der Cover-Story der neuesten Ausgabe der Nieman Reports mit dem vielsagenden Titel «Breaking News – Mastering the art of disruptive innovation in journalism» veröffentlicht. Einer von ihnen ist Clay Christensen, Harvard Professor und Autor der Bücher «The Innovator’s Dilemma» und «The Innovator’s Solution», die zu den Standardwerken zum Thema Innovationsmanagement gehören. Die zentrale, altbekannte Frage: Wie können sich die angestammten Player in einem Markt behaupten, der von neuen, radikal anders denkenden Herausforderern komplett auf den Kopf gestellt wird? Erfrischend, dieser nüchterne Blick von aussen, den Clay und seine Kollegen an den Tag legen. Unbedingt lesen. Oder hören. Hier der Einstieg:

I think we didn’t quite understand, and still don’t really understand, how quickly things fall off the cliff. I think the reason why this happens is that, even as the disruption is getting more and more steam in the marketplace, the core business persists, and really quite profitable for a very long time. Then, when the disruption gets good enough to address the needs of your customers, very quickly, all of a sudden, you go off the cliff.

via Clay Christensen on the news industry: “We didn’t quite understand…how quickly things fall off the cliff” » Nieman Journalism Lab.

Als ich das letzte Mal im Sommer ferienhalber für eine Woche offline ging, verpasste ich nichts für mich unmittelbar Relevantes. Im Gegensatz dazu überschlugen sich die Ereignisse in der vergangenen Woche geradezu, als ich das Experiment zu einer anderen Jahreszeit wiederholte:

Note to myself: Relax! Die Welt dreht sich immer noch weiter, auch wenn man sich informationstechnisch zeitweilig von ihr entkoppelt. Aber: Die Jahreszeit macht dabei aber einen enormen Unterschied.

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