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Es tut sich was im Schweizer Markt für Online-News: Mit watson und einem von Ringier angekündigten Buzzfeed-Verschnitt buhlen im nächsten Jahr zwei neuartige Player um die Gunst des Publikums. Darüber habe ich mich mit Nick Lüthi von der Medienwoche und Moderator Salvador Atasoy im SRF Medientalk unterhalten:

Anna Rossinelli Cover

«It is becoming more likely than unlikely, that the media institutions you are working for today will not exist anymore in ten years.»

Wolfgang Blau unterstreicht in dieser Rede vor Absolventen des International Masters Program for Media Managers in Wien eindrücklich, weshalb er einer der Posterboys der internationalen Mediarevolution ist.

Informationsarchitekt Oliver Reichenstein hat in einem Vortrag an der Generate Conference ein Thema aufgegriffen, das seit längerem im Raum steht: Welche Folgen hat Information Overload für unseren Geist? Seine These, die er auf Slide 63 in einer Frage verpackt: «Assume that what analog technology has done to our environment, information technology is doing to our minds».

Während Reichensteins Aussagen genereller Natur sind, gibt es verschiedene Stimmen, die diese Problematik in einem engeren Sinne im Kontext täglich erscheinender News beleuchten und Lösungsvorschläge machen. So plädierte zum Beispiel Rolf Dobelli vor zwei Jahren in einem sehr lesenswerten Aufsatz für eine «gesunde Nachrichtendiät» bestehend aus langen Artikeln und Büchern, «die nicht davor zurück schrecken, die Komplexität der Welt darzustellen».

Nun ist es ja so, dass ich ein berufsbedingtes Interesse an News habe, mich informationstechnisch also schon deshalb nicht entkoppeln kann. Trotzdem beschäftigt mich der Gedanke von Slow News, seitdem ich Dobellis Aufsatz vor zwei Jahren gelesen habe. So gut gemeint sein Vorschlag auch ist, hat er eine entscheidende Schwäche: Das Potential von vernetztem Ideenaustausch und -wettbewerb liegt bei einer solchen Lösung brach. Erkenntnisreiche Informationsforen wie «changemyview» und zukünftige Plattformen, die vielleicht noch interessantere Gedanken hervor bringen, bleiben aussen vor.

Evan Williams, Mitbegründer von Twitter und Blogger, sieht ebenfalls Probleme in der Informationsflut und versucht mit seinem neuen Projekt Medium eine Alternative aufzubauen: «News in general doesn’t matter most of the time, and most people would be far better off if they spent their time consuming less news and more ideas that have more lasting import». Sein Ansatz scheint einer der bisher ausgereiftesten zu sein, wenn es darum geht, die richtige Balance zwischen Informationsvernetzung und -overkill zu finden. Schaut man sich Reichensteins abschliessende Empfehlungen auf Slide 80 an, scheint Medium einige davon umzusetzen. Einmal mehr zeigt sich: Great minds think alike.

 

Der von mir hoch geschätzte Science-Fiction-Autor Charles Stross hat bei Foreign Affairs einen Aufsatz zum Thema Überwachungsstaat veröffentlicht. Darin liefert er eine schlüssige Erklärung für die aktuelle Häufung von Whistleblowern und weshalb das die Staatsgewalt über kurz oder lang in grosse Schwierigkeiten bringen könnte.

Generation Z will arrive brutalized and atomized by three generations of diminished expectations and dog-eat-dog economic liberalism. Most of them will be so deracinated that they identify with their peers and the global Internet culture more than their great-grandparents post-Westphalian nation-state. The machineries of the security state may well find them unemployable, their values too alien to assimilate into a model still rooted in the early 20th century. But if you turn the Internet into a panopticon prison and put everyone inside it, where else are you going to be able to recruit the jailers? And how do you ensure their loyalty?If I were in charge of long-term planning for human resources in any government department, Id be panicking. Even though its already too late.

via Spy Kids – By Charles Stross | Foreign Policy.

sounds

We Could Fall

We Could Fall

Um den Twitterstream unter Hashtag #smf13 für die Nachwelt zu erhalten, habe ich die besten Tweets im Anschluss an die zwei Tage am SwissMediaForum in zwei Storifies zusammen gefasst:

 

Bonus-Material: Guardian-Chefredaktor Alan Rusbridger war zwar verhindert, wurde durch Wolfgang Blau mit einem beeindruckenden Referat zu den 10 Prinzipien des «Open Journalism» aber würdig vertreten. Das Original wurde dann via YouTube nachgereicht:

ideas, sounds

«Damals» EP

Da ist sie also, meine nächste EP für Gelbes Billett Musik. Enjoy!

Alan Rusbridger, Chefredaktor des Guardian, betont seit Jahren, wie wichtig der Netzwerk-Gedanke für Journalismus im Internet-Zeitalter ist. An der Konferenz «Paidcontent live» war das nicht anders, wie im nachfolgenden Quote zu lesen ist:

“‘Open’ is a kind of catchword. It is journalism that wants a response. It is journalism that is itself responsive. It is journalism that doesn’t just sit on the web as though it has no connection with the web, that acknowledges that the web is the most extraordinary revolution in publishing where lots of people will be publishing extremely worthwhile and informative information. And so you can produce better things by not ignoring it or building a barrier between yourself and that but incorporating it and linking to it. It’s journalism where you can be a platform for people who know more about things than you are. It is journalism that is inclusive and wants other people to help you build the stories and challenge the stories. That’s what I mean by open journalism, think you can do a better job of describing the world by doing all that.”

via 'The Guardian': We're Not Planning on a Paywall.

Aber nicht nur Rusbridgers Gedanken sind sehenswert, die Konferenz glänzte durch eine Menge weiterer hochkarätiger Panel-Teilnehmer, darunter Vertreter von BuzzFeed, Zite oder Vox Media. Hier findet sich eine lange Liste entsprechender Videos.