Schirrmacher und di Lorenzo: Sentences to ponder

Als ich am Wochenende diesen Artikel bei Al Jazeera las, in dem beschrieben wird, wie IWF-Chefin Christine Lagarde wenige Stunden nach durchaus berechtigten Äusserungen gegenüber Griechenland mehr als 10’000 wütende Einträge auf ihrer Faceboook-Page zu verzeichnen hatte, dachte ich mir: Was hat das für Folgen für die Politik im Allgemeinen, wenn das Feedback der Massen so unverzüglich und direkt auf die Entscheidungsträger einprasselt? Populismus ahoi? Oder eine gerechtere Welt? Entgegen meiner utopistischen Grundeinstellung tendierte ich gefühlsmässig zu letzterem.

Einen Tag später las ich dann dieses lange Gespräch zwischen Giovanni di Lorenzo, Chefredaktor der “Zeit” und Frank Schirrmacher, Herausgeber der FAZ. Ich war einigermassen überrascht darüber, mit wie vielen Punkten der beiden intellektuellen Schwergewichte alter Schule ich einverstanden war. Neben den obligaten Piraten und dem Journalismus im Allgemeinen kam dabei auch zur Sprache, welche Folgen die zunehmende Vernetzung – zu deren Effekten neben dem Instant-Feedback auch ein zunehmender Anspruch auf komplette Transparenz gehört – für das Mediensystem und daraus folgend auch für die Politik hat. Dabei stachen mir insbesondere zwei der Aussagen ins Auge:

Schirrmacher: “Online hat dieses automatische Feedback, das wie ein Plebiszit wirkt. Im Fall Sarrazin haben wir das dramatisch erlebt. Sein Buch erschien, und sofort kamen Leserkommentare: »Wieso, das Buch ist doch in Ordnung?« Und plötzlich sind auch die Medien umgeschwenkt.”

und an anderer Stelle:

Di Lorenzo: “Das ist wohl die größte Angst eines jeden, der heute ein öffentliches Amt bekleidet oder bekleiden will: dass sein Leben komplett durchleuchtet wird. Das ist heute viel einfacher als früher, und bei fast jedem, der für irgendetwas Verantwortung übernommen hat, lässt sich privat oder beruflich etwas finden, das gegen ihn verwendet werden kann. Alles wird in eine Richtung interpretiert, bis dann die nächste Sau durchs Dorf getrieben wird.”

Es scheint mir eminent wichtig, dass sich die Gesellschaft mit solchen Fragen auseinander setzt – und das besser heute als morgen. Deshalb: Unbedingt lesen und ein paar Minuten darüber nachdenken, was diese Herren hier besprechen.

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