Lost in the Kommentarspalte

Kollega Steglich mit einer schönen Replik auf Miriam Meckels zugespitzte Rezyklierung der Filter Bubble-Warnung von Eli Pariser. Da ich wahrscheinlich der einzige bin, der sie in der normalerweise zugeklappten Kommentarspalte von nzz.ch liest, möchte ich ihr hier ein ganz kleines bisschen mehr Aufmerksamkeit verschaffen. Sie hat es nämlich verdient. Besonders wegen dem letzten Satz.

Es entstehen an allen Ecken Angebote, die einer Scheuklappentendenz im Netz entgegenwirken, teils technisch, teils menschlich, teils gemischt.

Amazon schlägt mir nur Bücher vor, die zu dem passen, was ich zuvor angesehen/gekauft habe? fuenfbuecher.de bringt mich auf ganz andere Titel. Genius zeigt nur Musik, die meinen Vorlieben entspricht? emusic.com schlägt mir «Editor‘s Picks» vor. Und durch die Retweet-Kaskaden bei Twitter stosse ich täglich auch auf Empfehlungen zu guten Artikeln, Videos etc. aus mir völlig fremden Bereichen. Kurz: Je tiefer man vordringt ins Web, desto *mehr* Überraschungen erlebt man.

Nun kann man sagen: Klar, der Heavy User hat kein Problem, aber die meisten Onlinenutzer, deren Eingänge «nur» Google und Facebook heissen, eben doch. Bloss: Reden wir dann wirklich von einem neuen Problem? Wieviele WOZ-Leser haben auch die NZZ abonniert? Wieviele Anhänger der Partei A lesen auch mal das Wahlprogramm der Partei B? Welcher Boxkampf-Fan ist in die Oper gegangen, weil er in einem Boulevardblatt einen Artikel über Schlingensief überblättert hat?

via Rettet den Zufall! (Kultur, Medien, NZZ Online).

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