Wikileaks: The Really Big Picture

Auch wenn das Thema Wikileaks in der breiten Öffentlichkeit längst von der WM-Vergabe verdrängt worden ist, gibt Julian Assange weiterhin zu denken. Und das nicht nur, weil er jetzt ganz offen von der US-Politik attackiert wird. Oder weil er von Basel aus mit Kohle versorgt wird.

Es besteht weiterhin einiges an Diskussionsbedarf, welche Ziele der Mann mit seinem Handeln verfolgt und welche Konsequenzen das für unsere Gesellschaft hat. Dazu hat ein gewisser Zunguzungu eine brillante Analyse eines Assange-Essays aus dem Jahr 2006 verfasst. Demnach geht es dem Mann nicht unbedingt darum, mit den einzelnen Leaks konkrete Auswirkungen zu erzielen (Kriege stoppen, Diplomatie verändern) sondern um ein sehr viel grösseres Ziel: Ganz Hacker-like geht er das Problem von autoritären Verschwörungen – und genau das sind Staaten, wie die USA, in seinen Augen – im Allgemeinen an, indem er ihre “Computational Power” und damit ihre kognitiven Fähigkeiten, ihre Anpassungsfähigkeit an sich ändernde Umweltbedingungen angreift. Die Angst vor der Veröffentlichung geheimer Daten führt seiner Meinung nach dazu, dass die interne Kommunikation solcher Organisationen und damit ihre Handlungsfähigkeit eingeschränkt wird. Das Endziel heisst dabei: Kollaps. Ob das im Falle von staatlichen Verschwörungen wirklich so funktionieren kann, wird sich zeigen. Aber wenn ich in irgendeinem State Department sässe, würde ich Assange (und seine Ideen) sehr ernst nehmen. Denn er hat sich einiges überlegt, bevor er mit seinen Aktionen begonnen hat.

Hier ein sehr kleiner Auszug aus der Analyse:

Assange is not trying to produce a journalistic scandal which will then provoke red-faced government reforms or something, precisely because no one is all that scandalized by such things any more. Instead, he is trying to strangle the links that make the conspiracy possible, to expose the necessary porousness of the American state’s conspiratorial network in hopes that the security state will then try to shrink its computational network in response, thereby making itself dumber and slower and smaller.

Update: Auch die Süddeutsche hat das Assange-Essay gelesen.

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