Ringier prescht vor: The Collection

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Nachdem “The Collection” gestern an einem Launch-Event in London vorgestellt wurde (dessen Echo eher verhalten scheint), präsentierte Chefredaktor Peter Hossli heute an der Dufour-Strasse der einheimischem Journaille, wie sich Ringier eine mögliche Zukunft des Journalismus vorstellt. Die entsprechenden Fakten wurden an anderer Stelle bereits hinreichend beschrieben, deshalb will ich mich damit auch nicht lange aufhalten. Interessanter (vor allem aber diskutierenswerter) scheint mir eine Einschätzung der Erfolgsaussichten dieses “appazines”.

Grundsätzlich finde ich es sehr löblich, dass Ringier als grosses Verlagshaus mit diesem Projekt einen mutigen Schritt nach vorne geht und damit wichtige Pionierarbeit leistet. Schon allein aus diesem Grund wünsche ich der Redaktion um Peter Hossli allen Erfolg dieser Welt bei ihrem Unterfangen. Aber ich bin skeptisch, ob er sich einstellen wird. Denn auch wenn “The Collection” einiges anders und aus meiner Sicht richtiger macht, als vergleichbare Produkte wie The Daily oder das Project Magazine – die monothematische Ausrichtung steht hier an erster Stelle – , trägt es einer vernetzten Medienwelt zu wenig Rechnung und teilt damit deren grösste Schwachpunkte. Das äussert sich schon ganz banal darin, dass die gesamte Anbindung nach aussen (Social Media und Email) darin besteht, beim Druck auf den entsprechenden Button in der App einen Link zum iTunes-Store zu verschicken. Da fragt man sich: Wie soll die potentielle Leserschaft überhaupt von der Existenz dieses Next-Level-Journalism erfahren? Zumal die Werbebudgets nach eigenen Angaben sehr gering sind und stattdessen auf virale Verbreitung gesetzt wird. Diese Abschottung kommt nicht von ungefähr: Peter Hossli “gefällt die geschlossene Welt von Apps”, wie er heute fast schon stolz mitteilte. Die unendlich viel grössere Welt des Internet bleibt dabei aussen vor.

Über den Inhalt selbst kann man geteilter Meinung sein. Ich persönlich finde es eher mitteltoll, Prinz Harry die Haare wegzurubbeln, um zu sehen, wie er mit Glatze aussehen würde. Und das Design, so multimedial es auch daher kommen mag, ist jetzt auch nicht so mein Ding. Aber auch hier gilt wieder: Geschmackssache. Sicher ist aber: Die Produktion der Inhalte ist extrem aufwändig und damit teuer.

Aussagen zur Höhe der Investitionen (bis auf die Feststellung, dass man als internes Startup “keine doppelstelligen Millionenbeträge” investiert habe), laufenden Kosten, Umsatzzielen, einem Zeithorizont für die Erfolgsmessung oder auch nur schon zur Redaktionsgrösse liess sich Hossli keine entlocken. Ausser der Feststellung, dass man fest beabsichtige, mit The Collection nennenswerte Umsätze zu erzielen. Schliesslich, so Hossli, hänge sein Job davon ab, ob das gelinge. Ich hoffe für ihn und die Redaktion, dass der nachträgliche Einwurf von Konzernsprecher Mathias Graf, man betreibe schon auch Grundlagenforschung und baue damit Kompetenzen für die Zukunft auf, ernst gemeint war. Denn nur unter diesem Gesichtspunkt macht für mich “The Collection” in seiner jetzigen Form wirklich Sinn.

Zum Abschluss lasse ich jetzt aber auch noch Jonathan Ive Peter Hossli himself zu Wort kommen:

 

Update: Kollege Trotzkyzh hat noch ein paar delikate Infos ausgegraben. Ist das also besagte virale Kampagne?

Update 2: bernetblog und netzwertig haben nun ebenfalls ein paar Gedanken zur App gepostet.

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