rettet das kulturmagazin!

mein heutiger gastbeitrag bei 78s.ch

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Die Basler Zeitung schneidet sich ihr Filetstück aus dem Leib: Das Kulturmagazin. Ein fataler Entscheid.

Die Spatzen pfeifen es vom Dach: Das Kulturmagazin der Basler Zeitung, das rund 5 Jahre lang eine Beilage im Tabloid-Format war, soll wieder in die reguläre Zeitung integriert werden. Aus rein betriebswirtschaftlicher Perspektive ist diese Massnahme wohl sinnvoll.

Trotzdem ist der Entscheid falsch. Die BaZ stampft mit dieser Massnahme munter weiter in Richtung Dinosaurier-Friedhof. Denn genau dieses Kulturmagazin ist es, was eine regionale Tageszeitung wie die BaZ noch einigermassen lesenswert macht. Auslandsberichterstattung, Wirtschaftsnews, Sport – das alles kriege ich im Netz aktueller, ausführlicher, besser gemacht, und vor allem gratis.

Der Lokalbezug der Kultur aber, der sorgt für Gesprächsstoff. Der schafft Gemeinschaft. Er gibt Impulse, stösst Debatten an. Dafür bin ich als Leser gerne bereit, etwas zu bezahlen. Zudem ist ein Kulturteil, der sich eher an der Popkultur denn an feuilletonistischem Dünkel orientiert, mit ziemlicher Sicherheit derjenige Teil der Zeitung, der noch am ehesten ein junges Publikum anspricht.

Wie man aus gut informierten Kreisen vernimmt, liegt die positive Wahrnehmung des (mehrfach preisgekrönten) Kulturmagazins bei sagenhaften 40%. Bei anderen Zeitungen im deutschsprachigen Raum wird das Feuilleton im Schnitt von lausigen 16% der Leserschaft überhaupt wahrgenommen. Die Basler Zeitung hat sich hier ein echtes Alleinstellungsmerkmal geschaffen, eines der letzten, das ihr geblieben ist. Ausgerechnet dieses will sie aufgeben.

Als kulturell interessierter Bewohner dieser Stadt muss ich meine Stimme erheben gegen diesen Unfug. Denn auch wenn es zwei, drei Blogs gibt, die sich hin und wieder zu Party und Popkultur in Basel äussern, können sie die zunehmende Erosion der kulturellen Berichterstattung nur in begrenztem Masse kompensieren. Denn ein Blog beackert immer nur einen kleinen Ausschnitt davon, was geht. Und niemand macht sich die Mühe, weit über den eigenen Tellerrand hinauszublicken, wenn es nicht so kompakt in einem schön aufbereiteten Paket daher kommt, wie hier.

Ein Regierungsrat wird sich wohl nie auf eine Seite wie 78s, infamy oder diemagazin verirren, um sich über das kulturelle Geschehen seiner Stadt zu informieren. Er wird aber sehr wohl das Kulturmagazin durchblättern. Und wenn dort zwischen einer Theaterkritik und einem Wein-Geheimtip ein Bericht über eine Punkband steht, dann erhält letztere in seinen Augen ein Gewicht – und bei der nächsten Parlamentsabstimmung wird er sich zwei mal überlegen, ob er die Subvention der “Jugendkultur” streichen will.

Und jetzt kommt ihr ins Spiel: Die Leserschaft. Denn eure Stimme zählt viel mehr, als ihr annehmt. Bei rund 168′000 Lesern fällt es sehr wohl ins Gewicht, wenn ein paar hundert davon laut protestieren. Vor allem, wenn es diejenigen sind, welche dieser Zeitung noch länger als ein paar Jahre erhalten bleiben. Deswegen: Schreibt doch eine Mail an kommunikation@baz.ch und sagt ihnen, weshalb es eine wirklich schlechte Idee wäre, den Kulturteil der BaZ zu kastrieren. Vielleicht weiss Herr Hagemann ja, wie man ein Mailprogramm bedient, liest eure Zuschriften und denkt noch einmal über die ganze Sache nach.

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