Chefwechsel bei der BaZ: The Plot thickens

Die Baz-Gruppe gehört mehrheitlich dem “Parvenü” (nach eigenen Angaben) Tito Tettamanti, der schon die “Weltwoche” auf stramm rechtskonservativen Kurs brachte. Der Wewo- VR-Präsident ist zugleich VR-Präsident der BaZ.

Nach einer Schamfrist lassen sie die Katze jetzt auch bei der Baz aus dem Sack. Anders kann man die programmatisch folgerichtige Chefredaktorenwahl nicht sehen (Markus Somm: Christoph Blocher/ Der Konservative Revolutionär”, 528 Seiten, 48 CHF; Appenzeller Verlag, Herisau AR).

Falls ich das richtig verstanden habe, ist die nächste Zielrichtung die Mittelandzeitung, der schon die Basellandschaftliche Zeitung gehört. Das Ganze liesse sich, vielleicht auch noch mit den “Schaffhauser Nachrichten”, der das Wasser am Hals steht, zur “National-Zeitung” -Gruppe zusammenfassen.

In dieser könnte dann die “Weltwoche” – die sich angesichts der sichtbaren Anzeigenflaute niemals selbst finanzieren kann – als semi-intellektueller Vorreiter den Kammerton vorgeben.

Der alte Kopftitel “National-Zeitung” – die BaZ besitzt dessen Rechte -, bekäme vor diesem Hintergrund eine neue, uralte Bedeutung, schön auf regionale Quasi-Monopole verteilt

Mich fröstelt einwenig.

Fred David:

Eine Präzisierung: Man kommt bei der gegenwärtigen Umverteilung im Schweizer Medienkuchen leicht durcheinander.

Die erwähnte “Basellandschaftliche Zeitung” gehört seit knapp zwei Jahren zum Verbund der AZ-Medien (Aargauer Zeitung, Limmattaler Zeitung, Sonntag), die “in Kooperation” mit der Mittellandzeitung (Solothurner Zeitung, Grenchener Tagblatt, Oltener Tagblatt, Zofinger Tagblatt, Lagenthaler Tagblatt, Luzerner Nachrichten) erscheint.

Das Ganze Gebilde nennt sich selbst “Reich der Mitte” und wirkt von ausssen leicht schwamperig, jedenfalls nicht so, wie ein langfristig festgefügtes und schon gar nicht wie ein konsolidiertes Reich.

Herrscher dieses Imperiums ist Peter Wanner, ein vifer, aber klammer Verleger, der sich womöglich etwas übernommen hat (insbesondere mit dem “Sonntag”).

Im letzten Jahr verbuchte er Mindereinnahmen von 40 Mio CHF, rote Zahlen und auch in diesem Jahr sind keine Mehreinnahmen budgetiert. Das kann schnell eng werden.

Die Eigenbkapitalquote liegt bei mageren 37%. Innvestitionen sind nur noch “mit Partnern” denkbar. Wanner hat bei der BaZ schon mal “sehr finanzstarke Investoren” geortet.

Das lässt zumindest aufhorchen.

Wir wollen nicht zu viel spekulieren, aber im Aargauischen ist still und leise auch ein Neuverleger am Werk. Der Autoimporteur und SVP-Financier Walter Frey, der auch mit Tito Tettamanti gut bekannt ist.

Der muntere Rentner ist nach langer politischer Abstinenz wieder sehr aktiv in der SVP und amtiert als deren Vizepräsident. Die “Bilanz” rechnet ihm ein Vermögen von 1 bis 1,5 Milliarden CHF zu

Frey ist VR-Präsident der etwas rätselhaften Verlagsgesellschaft Pro, in Zürich, ebenso mit Einzelunterschrift bei ZüriWoche und der Lokal Info AG.

Letztere übernahm er vor acht Jahren von Beat Curti. Die unscheinbare Lokal Info AG gibt vier beträchtliche Gratis-Quartierblätter mit redaktionellem Teil in Zürich heraus und deckt mit dem “Küsnachter” die ganze Goldküste ab.

Noch ist es zu früh, um 1 + 1 zusammenzuzählen in dieser etwas seltsamen Gemengelage. Aber man sollte doch mal ein Auge drauf haben.

Sybellinisch sagte Peter Wanner diesen Frühling, im Herbst 2010 werde man “klarer sehen”.

Mal sehen, was da noch auf uns zurollt.

Einmal mehr finden sich wirklich interessante Infos in Blog-Kommentaren. Drüben beim Medienspiegel hat zum Beispiel Fred David (u.a. «Spiegel»-Redaktor, Auslandkorrespondent der «Weltwoche», Chefredaktor von «Cash») munter drauf los spekuliert und dabei – wie ich finde – einige bedenkenswerte Punkte in einen Zusammenhang gebracht. Ich bin gespannt, wie sich das ganze BaZ-Drama weiter entwickelt. Ein gutes Gefühl hab ich dabei aber nicht wirklich.

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