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Talking to editors in a number of companies involved in the discussions (none of whom wanted to talk on the record) there is a sense of mildly suppressed panic about these deals: almost no-one wants to do them, but it is for many of them worse to not be involved in negotiations with the companies that now control the pathways to the audience. The principal attraction of agreeing to publish straight to Facebook is higher traffic, and potentially shared revenue. The drawbacks are higher degrees of dependency on systems over which publishers have no control and little insight.

Auszug aus einem äusserst lesenswerten Beitrag zum Verhältnis von Medienunternehmen und Technologie-Giganten im Lichte des Google-Fonds zur Förderung von innovativem Journalismus in Europa.

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Eigentlich wollten wir mit Konrad WeberSalvador Atasoy und einer dazu geschalteten Anita Zielina  über Digitale Strategien in Zeiten von Clickbait reden. Unter dem frischen Eindruck der medialen Verarbeitung des tragischen Absturzes eines Germanwings-Flugzeugs drehte sich das Gespräch dann aber auch darum, wie Medien mit dem Problem umgehen sollen, den unglaublichen Wissensdurst ihres Publikums in einer solch dünnen Faktenlage stillen zu wollen. Die grosse Schwierigkeit dabei: Wie erfüllt man dieses Bedürfnis, ohne in die Pietätlosigkeit abzurutschen, welche in sozialen Medien so lautstark angeprangert wurde. Ein auch für mich sehr erhellendes Gespräch.

 

Die talentierte Sarah Mühlberger hat mich zum TagesWoche-Projekt «Misstrauen gegen die Medien» befragt, das ich zusammen mit Kollege Oppliger im vergangenen Winter durchgeführt habe. Unter dem Titel «Beziehungskrise» entstand daraus (und Gesprächen mit anderen digital denkenden Journikollegen) ein toller Artikel, der das teils angespannte Verhältnis zwischen Journalisten und Lesern durchleuchtet.

 

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Hier noch zu (meinen persönlichen) Archivzwecken verlinkt: Die Website als pdf.

Im vergangenen Dezember führten wir bei der TagesWoche ein Experiment durch: Wie können wir unsere eigenen Diskussionen zum virulenten Misstrauen gegen die Medien mit den Gedanken unserer Leser anreichern – ohne die üblichen Wortgefechte in den Kommentarghettos am Ende der Artikelseiten. Zu diesem Zweck beschlossen wir, eine Artikelreihe zu starten, die mit 5 Thesen zu diesem damals sehr akuten Thema begann und im Laufe von zwei Wochen mit verschiedenen anderen Inhalten weiter geführt wurde, um dann in einem grossen Essay ihren Abschluss zu finden, in dem die Erkenntnisse aus diesem Prozess stringent verarbeitet werden. Das Ergebnis hat unsere Erwartungen bei weitem übertroffen, weshalb ich sie hier nochmals in der Übersicht verlinke:

thoughts

Zu Gast bei Digital Shift

Alain Leclerk hat mich netterweise an eine Veranstaltung des Vereins Digital Shift zum Thema Aufmerksamkeit eingeladen. Die obigen Slides waren mein Kurz-Input für die anschliessende Diskussion, die ausgesprochen spannend war. Herzlichen Dank für die Gastfreundschaft und die anregenden Gedanken.

«… aber die ist doch doomed!» war stets die erste Reaktion, als ich Mentoren und Vertrauensmenschen die Möglichkeit dieses unerwarteten Stellenwechsels eröffnet habe. Meine eigene unterschied sich nicht wesentlich davon, als mich Redaktionsleiter Dani Winter aus dem Nichts zu einem Kaffee einlud. Wer sich die brutale Berichterstattung der letzten Wochen vor Augen führt, kann zu keiner anderen Einschätzung kommen: Es sieht nicht gut aus für die Tageswoche.

In den darauf folgenden Gesprächen mit den Verantwortlichen, aber auch mit Leuten aus der Redaktion kristallisierte sich heraus, dass es dafür nachvollziehbare Erklärungen gibt. Viele davon hat die Medienwoche hier beschrieben, mögliche Lösungsansätze ebenfalls. Fest steht: Das Projekt befindet sich in einer Umbruchphase, inhaltlich ebenso, wie organisatorisch. Das erstaunt bei einem knapp drei Jahre alten Startup, geht aber selbstredend nicht ohne Lärm vonstatten.

Als noch Aussenstehender interpretiere ich den aktuellen Status als «make or break»-Moment. Das birgt viele Risiken und Unwägbarkeiten. Noch mehr sehe ich in dieser Situation aber Chancen. Ein guter Moment zum Einsteigen und einen Beitrag zum Gelingen einer ambitionierten Idee zu leisten.

Denn trotz aller Probleme verkörpert die Tageswoche vieles von dem, was der von mir sehr bewunderte Guardian-Chefredaktor Alan Rusbridger in dieser Rede anspricht:

Den idealistischen Part beschreibt er ab Minute 08:55:

«A newspaper has two sides to it. It is a business, like any other, and has to pay in the material sense in order to live. But it is much more than a business; it is an institution; it reflects and it influences the life of a whole community; it may affect even wider destinies.»

Wie beim Guardian auch, steht im Hintergrund der Tageswoche eine Stiftung, deren Ziele nicht in erster Linie profitorientiert sind. Eine gute Ausgangslage, um innovative, nachhaltige Lösungen für die aktuellen Herausforderungen der Medienbranche zu finden. Dazu passt, was Rusbridger ab Minute 01:30 sagt: Unsere Zeit erfordert einen Blick über den redaktionellen Tellerrand hinaus, um die fundamentalen Umwälzungen zu verstehen, die sich in Bezug auf die öffentliche Meinungsbildung abspielen. Dass sich die im Vergleich zum Guardian verschwindend kleine Tageswoche die Stelle eines Digitalstrategen leistet, ist ein Zeichen, dass es ihr ernst ist mit diesem Anspruch.

Die Aufgabenfelder, die ich in den dreieinhalb Jahren bei der NZZ wahrgenommen habe, sind auch hier zentral: Analyse des Medienwandels, Transfer des so gewonnenen Wissens in die Redaktion und die auf beidem basierende Weiterentwicklung der Digitalstrategie. Im Gegensatz zum eher beratenden Ansatz bei den Labs, bin ich bei der Tageswoche näher am Produkt. Respektvoll trete ich deshalb in die Fusstapfen von David Bauer, der hier in den letzten Jahren einen beeindruckenden Digital-Auftritt aufgebaut hat.

Der Abschied von den NZZ Labs wird mir schwer fallen. Schliesslich war ich dort in der unfassbar privilegierten Lage, zusammen mit brillanten Kollegen über Themen wie strukturiertem Journalismus, alternativen Darstellungsformen oder dem «Context Problem» nachzudenken. Daneben habe ich wahnsinnig viel gelernt über Politik und Kultur eines grossen, traditionsreichen Medienhauses.

Aber: Einer der eingangs erwähnten Vertrauensmenschen sagte zu mir, man bereue nichts so sehr im Leben, wie verpasste Chancen. Diese Meinung teile ich. Und wage deshalb voller Zuversicht den Schritt ins Ungewisse.

Sebastian Horn, Florian Steglich und ich haben uns an der re:publica 2014 Gedanken zum Thema Structured Journalism gemacht. Hier das Ergebnis:

Update:
Dankenswerterweise haben zwei Zuhörer unsere Session auf ihren jeweiligen Blogs zusammengefasst:

Birte Frei: Structured Journalism – ein Organisationsprinzip
Bernd Oswald: Structured Journalism: Journalisten als Bibliothekare

I like to say that creative people are confident in only one thing: their own doubt. I think there’s a huge lack of self-confidence in a creative person because, by nature, the definition of a creative person is someone who is trying to make something new. They know, if they are professional creatives, that the likelihood of doing that—making something new and significant—is hugely unlikely, so they build within that city of doubt. From doubt, they get to iterate and work extremely hard, hoping to find something new; it’s all about hope.

via The Great Discontent: John Maeda.

Ist zwar schon eine Weile her, soll hier aber der Vollständigkeit halber festgehalten werden: Die charmante Naomi Gregoris hat im Auftrag des SRF ein Gespräch mit mir geführt, in dem ich einmal mehr versucht habe, dem Reizthema «Buzzfeed» etwas mehr Tiefe zu verleihen, als das reflexartig heruntergebetete «Katzenbilder»-Meme erahnen lässt. Enjoy.

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