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Zu Gast bei Digital Shift

Alain Leclerk hat mich netterweise an eine Veranstaltung des Vereins Digital Shift zum Thema Aufmerksamkeit eingeladen. Die obigen Slides waren mein Kurz-Input für die anschliessende Diskussion, die ausgesprochen spannend war. Herzlichen Dank für die Gastfreundschaft und die anregenden Gedanken.

«… aber die ist doch doomed!» war stets die erste Reaktion, als ich Mentoren und Vertrauensmenschen die Möglichkeit dieses unerwarteten Stellenwechsels eröffnet habe. Meine eigene unterschied sich nicht wesentlich davon, als mich Redaktionsleiter Dani Winter aus dem Nichts zu einem Kaffee einlud. Wer sich die brutale Berichterstattung der letzten Wochen vor Augen führt, kann zu keiner anderen Einschätzung kommen: Es sieht nicht gut aus für die Tageswoche.

In den darauf folgenden Gesprächen mit den Verantwortlichen, aber auch mit Leuten aus der Redaktion kristallisierte sich heraus, dass es dafür nachvollziehbare Erklärungen gibt. Viele davon hat die Medienwoche hier beschrieben, mögliche Lösungsansätze ebenfalls. Fest steht: Das Projekt befindet sich in einer Umbruchphase, inhaltlich ebenso, wie organisatorisch. Das erstaunt bei einem knapp drei Jahre alten Startup, geht aber selbstredend nicht ohne Lärm vonstatten.

Als noch Aussenstehender interpretiere ich den aktuellen Status als «make or break»-Moment. Das birgt viele Risiken und Unwägbarkeiten. Noch mehr sehe ich in dieser Situation aber Chancen. Ein guter Moment zum Einsteigen und einen Beitrag zum Gelingen einer ambitionierten Idee zu leisten.

Denn trotz aller Probleme verkörpert die Tageswoche vieles von dem, was der von mir sehr bewunderte Guardian-Chefredaktor Alan Rusbridger in dieser Rede anspricht:

Den idealistischen Part beschreibt er ab Minute 08:55:

«A newspaper has two sides to it. It is a business, like any other, and has to pay in the material sense in order to live. But it is much more than a business; it is an institution; it reflects and it influences the life of a whole community; it may affect even wider destinies.»

Wie beim Guardian auch, steht im Hintergrund der Tageswoche eine Stiftung, deren Ziele nicht in erster Linie profitorientiert sind. Eine gute Ausgangslage, um innovative, nachhaltige Lösungen für die aktuellen Herausforderungen der Medienbranche zu finden. Dazu passt, was Rusbridger ab Minute 01:30 sagt: Unsere Zeit erfordert einen Blick über den redaktionellen Tellerrand hinaus, um die fundamentalen Umwälzungen zu verstehen, die sich in Bezug auf die öffentliche Meinungsbildung abspielen. Dass sich die im Vergleich zum Guardian verschwindend kleine Tageswoche die Stelle eines Digitalstrategen leistet, ist ein Zeichen, dass es ihr ernst ist mit diesem Anspruch.

Die Aufgabenfelder, die ich in den dreieinhalb Jahren bei der NZZ wahrgenommen habe, sind auch hier zentral: Analyse des Medienwandels, Transfer des so gewonnenen Wissens in die Redaktion und die auf beidem basierende Weiterentwicklung der Digitalstrategie. Im Gegensatz zum eher beratenden Ansatz bei den Labs, bin ich bei der Tageswoche näher am Produkt. Respektvoll trete ich deshalb in die Fusstapfen von David Bauer, der hier in den letzten Jahren einen beeindruckenden Digital-Auftritt aufgebaut hat.

Der Abschied von den NZZ Labs wird mir schwer fallen. Schliesslich war ich dort in der unfassbar privilegierten Lage, zusammen mit brillanten Kollegen über Themen wie strukturiertem Journalismus, alternativen Darstellungsformen oder dem «Context Problem» nachzudenken. Daneben habe ich wahnsinnig viel gelernt über Politik und Kultur eines grossen, traditionsreichen Medienhauses.

Aber: Einer der eingangs erwähnten Vertrauensmenschen sagte zu mir, man bereue nichts so sehr im Leben, wie verpasste Chancen. Diese Meinung teile ich. Und wage deshalb voller Zuversicht den Schritt ins Ungewisse.

Sebastian Horn, Florian Steglich und ich haben uns an der re:publica 2014 Gedanken zum Thema Structured Journalism gemacht. Hier das Ergebnis:

Update:
Dankenswerterweise haben zwei Zuhörer unsere Session auf ihren jeweiligen Blogs zusammengefasst:

Birte Frei: Structured Journalism – ein Organisationsprinzip
Bernd Oswald: Structured Journalism: Journalisten als Bibliothekare

I like to say that creative people are confident in only one thing: their own doubt. I think there’s a huge lack of self-confidence in a creative person because, by nature, the definition of a creative person is someone who is trying to make something new. They know, if they are professional creatives, that the likelihood of doing that—making something new and significant—is hugely unlikely, so they build within that city of doubt. From doubt, they get to iterate and work extremely hard, hoping to find something new; it’s all about hope.

via The Great Discontent: John Maeda.

Ist zwar schon eine Weile her, soll hier aber der Vollständigkeit halber festgehalten werden: Die charmante Naomi Gregoris hat im Auftrag des SRF ein Gespräch mit mir geführt, in dem ich einmal mehr versucht habe, dem Reizthema «Buzzfeed» etwas mehr Tiefe zu verleihen, als das reflexartig heruntergebetete «Katzenbilder»-Meme erahnen lässt. Enjoy.

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Die Flut von Artikeln zum Start von watson unterstreicht eindrücklich, was Oswald Martin hier so eloquent schreibt: Viele Journalisten haben das Projekt mit grosser Spannung erwartet und wünschen der Crew Erfolg bei ihrem Unterfangen, mit neuen Ansätzen frischen Wind in eine zutiefst verunsicherte Branche zu bringen.

Naturgemäss konzentrierte man sich so kurz nach dem Start – fast alle Texte wurden in den ersten zwei Tagen nach dem Launch veröffentlicht – vor allem auf Äusserlichkeiten.

Auf lange Sicht wird aber ein anderer Faktor matchentscheidend sein: Der Inhalt. Und diesbezüglich hat die Redaktion gestern kurz aufscheinen lassen, wie sie die Konkurrenz abtrocknen kann.

Kurze Recap: Am Morgen nach der Verleihung der Grammys lupfte es Altjazzer Bruno Spoerri in den Kommentarspalten von srf.ch den Hut:

 

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Die SRF-Redaktion reagierte umgehend, gleiste ein Radio-Interview mit dem Produzenten auf und kündigte das via Twitter an. Ich gehe davon aus, dass Maurice Thiriet kein systematisches Kommentarspalten-Monitoring bei der Konkurrenz betreibt (obwohl ihm das durchaus zuzutrauen wäre), sehr wohl aber einen Twitterfeed auf seinem zweiten Schirm laufen hat. Dort sah er wohl den Hinweis auf die Geschichte, zählte 1 und 1 zusammen und nahm den Telefonhörer in die Hand. Das Resultat: Obwohl die Geschichte ihren Ursprung bei SRF hatte (wo irgendwann ein entsprechender Radiobeitrag ausgestrahlt wurde, den ich aber nirgendwo verlinkt sehe), war watson mit der Geschichte zwei entscheidende Stunden früher online und konnte so einen schönen Primeur verbuchen. Wenig später war die Geschichte bereits mit einem nett gemachten, via YouTube publizierten Video-Interview angereichert. Eine in Rekordzeit veröffentlichte, sich über den Tag weiter entwickelnde Story: Prozessjournalismus in Reinkultur.

Ebenfalls nicht zu unterschätzen, gerade wenn es um den Erfolg in Social Media geht, wo ein Titel für sich alleine ausserhalb des Portal-Kontexts funktionieren muss: Während der SRF-Artikel mit einem relativ handzahmen Fragezeichen-Titel im Newsfeed wohl eher für ein lauwarmes meh sorgt,

 

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trägt man bei watson richtig dick auf

 

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und relativiert die Aussage erst im letzten Abschnitt des Textes mit einer alibimässigen Unschuldsvermutung.

Wie sich das auf die Leserzahlen niederschlägt, lässt sich von aussen nicht feststellen. Der Zuspruch via Social Media lässt aber den Schluss zu: Hat funktioniert. Während die watson-Story bislang 484 Reaktionen auf Facebook auslöste, sind es bei srf.ch gerade mal 5. Ein wenige Tage alter Newcomer übertrifft einen der grössten Player des Landes diesbezüglich um den Faktor 100. Das muss man erst mal schaffen.

Was dieses Beispiel illustriert: In einem vernetzten Informations-Ökosystem sind Faktoren wie ein gut sortierter Twitterfeed (oder ein noch ausgefeilteres Themenmonitoring), Geschwindigkeit, prozessuales Denken und das plattformgerechte Aufbereiten und Ausspielen der darauf basierenden Inhalte viel Wert. Fähigkeiten also, die in traditionellen Redaktionsstuben oft noch nicht so gut verankert sind. Das ist die grosse Chance von Hansi und seinem Team.

Update (4.2.2014): Die Uni St. Gallen hat 2012 einen sehr lesenswerten Artikel zum Thema Netzwerk-Journalismus veröffentlicht, frei verfügbar als pdf.

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To share a story is in part to take ownership of it, especially because you are often able to comment on a story that you are sharing on social media. If you can share a piece of information thats an absolute truth – whether thats how to uninstall apps on your phone, or what the NSA is really doing – you too become a truth teller. And that feels good. Just as good as it does to be the person who has the cutest cat picture on the Internet.

via Viral Journalism and the Valley of Ambiguity.

The past two years were a wild goose chase for answers. I read books, looked at art, listened to my heroes, and sketched out scratchy thoughts of my own to search for any sensible response to a question that had been lodged in my head for months.

What does it mean to natively design for screens?

Allein schon der Einstieg – was für ein grossartiges Essay darüber, welche fundamentalen Gedanken beim Design für Screens eine Rolle spielen!

Hier entlang bitte…

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2013 11 mobile eating the world from Benedict Evans

A high-level view of the scale of mobile, tablets, ecosystems and mobile social and the dynamics that shape them.

Grossartige Präsentation von Benedict Evans, in der man alle Zahlen zur mobilen Revolution kompakt aufbereitet findet.

Hier meine Slides zum Referat. Danke, Marlis Prinzing und Vinzenz Wyss für die Einladung an den JournalismusTag 13.